Eine gute Beleuchtung ist wie ein schöner Waldspaziergang: Interview mit Lichtexpertin Ulrike Ehrenpfordt
Eine gute Beleuchtung ist wie ein schöner Waldspaziergang: Interview mit Lichtexpertin Ulrike Ehrenpfordt
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Interview mit Lichtexpertin Ulrike Ehrenpfordt

Eine gute Beleuchtung ist wie ein schöner Waldspaziergang

Die Planung einer gut durchdachten Beleuchtung ist gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Oder war Ihnen bewusst, dass die klassische Deckenleuchte inzwischen eine ganz andere Funktion hat als früher oder sich Kabel auch als Stilelement nutzen lassen? Mehr über die Grundlagen der Beleuchtung und den Einsatz verschiedener Leuchten-Typen erfahren Sie im Interview mit unserer Lichtexpertin Ulrike Ehrenpfordt.

Was fasziniert Sie so an den Themen Licht und Leuchten?
Ulrike Ehrenpfordt: Licht verändert einfach alles! Und – ganz gerade heraus– ohne die richtige Beleuchtung ist ein Raum tot. Mit Licht lässt sich die Umgebung vollständig anders gestalten. Man kann Möbel oder Dekorationen in Szene setzen oder aber Dinge etwas in den Hintergrund rücken. Ich sage immer, dass eine stimmungsvolle Beleuchtung wie ein Waldspaziergang ist. Denn dort kommt das Licht nicht einfach von oben. Es scheint durch die Blätter in verschiedenen Winkeln in den Wald hinein und wirft Schatten auf den Weg. Genauso interessant sollte auch die Beleuchtung zu Hause sein, um eine tolle Lichtstimmung zu erzeugen.

Es ist also nicht übertrieben, wenn wir sagen, dass die Beleuchtung einen extrem hohen Stellenwert hat, um die Atmosphäre eines Raums zu verändern?
Ulrike Ehrenpfordt: Ganz genau. Ein gutes Beispiel habe ich vor ein paar Jahren in einem Restaurant erlebt, das ich oft besucht habe. Dort war es immer sehr gemütlich, doch irgendwann hat der Besitzer seine alten Glühbirnen gegen die ersten – und damals als äußerst fortschrittlich geltenden – LEDs ausgetauscht. Da die Ausleuchtung nicht an die neuen Leuchtmittel angepasst war, wirkte das Licht extrem kalt und das hat sich auf die Atmosphäre im Raum übertragen. Man wollte am liebsten wieder herauslaufen.

Wichtig ist, das Licht in dem richtigen Maß einzusetzen und das sogenannte „Angst-Licht“ zu vermeiden. Damit meine ich, dass ein Raum so stark ausgeleuchtet ist, dass dort einfach keine Wohlfühlstimmung entstehen kann. Hier möchte ich nochmal an den Waldspaziergang das Spiel mit Licht und Schatten erinnern.

Interview mit Lichtexpertin Ulrike Ehrenpfordt
In ihrem Studio kreiert Ulrike Ehrenpfordt auch ihre eigenen Designs. Foto: Andre Reuter

Wie sollte sich die Beleuchtung in den Räumen des Hauses unterscheiden?
Ulrike Ehrenpfordt: Das lässt sich nicht pauschalisieren und ist stark von den individuellen Gewohnheiten abhängig. Ein gutes Beispiel ist das Schlafzimmer von Paaren. Häufig kommt es vor, dass einer vor dem Schlafen immer noch ein paar Seiten liest, der andere aber direkt die Augen schließen möchte. Dann ist ein sehr dezentes Licht direkt am Bett gefragt, das sich auf das Buch ausrichten lässt und den Partner nicht stört. Grundsätzlich ist es im Schlafzimmer praktisch, wenn sich die Deckenleuchte direkt am Bett ein- und ausschalten lässt, damit keiner im Dunkeln hin und her laufen muss. Auch eine Beleuchtung im Kleiderschrank kann vorteilhaft sein, um alles im Blick zu haben.

Im Esszimmer darf eine Pendelleuchte über dem Tisch auf keinen Fall fehlen! Wenn das Licht von weit oben kommt, wirkt es ungemütlich. Mit einer Pendelleuchte kann ich den Tisch mit weniger Abstand ausleuchten und erhalte so eine angenehme Atmosphäre.

Die Deckenleuchte, die eigentlich in jedem Raum zu finden ist, hat in den letzten Jahren deutlich an Relevanz verloren. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass ich gerade beim Saubermachen oder wenn ich etwas suche, nicht auf eine komplette Ausleuchtung verzichten möchte.

Sie haben gerade angesprochen, dass Sie verschiedene Leuchten-Typen verwenden, um den unterschiedlichen Raumsituationen gerecht zu werden. Welche Beleuchtung würden Sie konkret empfehlen, um gute Arbeitsbedingungen zum Beispiel im Homeoffice zu schaffen und welche für eine gemütliche Atmosphäre?
Ulrike Ehrenpfordt: Auch das ist eine Frage, bei der ich differenzieren muss. Beim Homeoffice müsste ich erst einmal schauen, was das beim Kunden genau bedeutet. Hat er zum Arbeiten einen eigenen Schreibtisch? Oder arbeitet er zum Beispiel vom Esstisch aus? Hat er das Glück und ersteres ist der Fall, ist natürlich eine Schreibtischleuchte Pflicht, die unabhängig von der Umgebung für ausreichend Licht beim Arbeiten sorgt. Wird häufig am Esstisch gearbeitet, rate ich zu einer funktionalen Pendelleuchte, die sich an die unterschiedlichen Bedürfnisse – in diesem Fall Essen und Arbeiten – anpassen lässt. Meine persönliche Empfehlung ist die „Mito” von Occhio, die man sowohl in der Höhe als auch der Helligkeit und Lichtfarbe variieren kann. Zum gemütlichen Zusammensitzen am Esstisch nutze ich dann das wärmere und zum Arbeiten das natürlichere, kühlere Licht.

Interview mit Lichtexpertin Ulrike Ehrenpfordt
Die Hängeleuchte Mito von Occhio lässt sich sowohl in der Höhe, der Helligkeit und der Lichtfarbe variieren.

Neben der Platzierung von Stehleuchten in den Ecken hinterleuchte ich für eine Wohlfühlatmosphäre gerne Sideboards, Regale oder den Fernseher. Dafür eiget sich hervorragend die „Falling Love” von Tobias Grau. Wenn sich mehrere Leute im Raum aufhalten, sind mobile Akkuleuchten wie die „Roxxane Fly“ von Nimbus eine gute Ergänzung, damit die Gemütlichkeit erhalten bleibt und trotzdem jeder ausreichend Licht bekommt. Diesen Leuchtentyp kann man ganz einfach dort positionieren, wo er gebraucht wird. Sei es am Leseplatz auf dem Sofa oder in der Kinderecke.

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Links: Leuchte Falling Love von Tobias Grau. Rechts: Roxxane Fly von Nimbus.

Ab wann ist es sinnvoll, sich mit dem Thema Beleuchtung des eigenen Zuhauses zu beschäftigen?
Ulrike Ehrenpfordt: Im Bezug auf die Beleuchtung lässt sich am meisten aus den Räumen herausholen, wenn man so früh wie möglich mit der Planung beginnt. Dann können Anschlüsse und Steckdosen noch variabel platziert werden. Ist dieser Zeitpunkt verpasst, stehen viele irgendwann vor dem Problem, dass sie genau wissen, wo die Leuchte stehen oder hängen soll, aber dort kein Anschluss vorhanden ist. Deswegen setzen wir mit einer Lichtplanung auch gerne schon beim Rohbau an. Wenn wir noch alle Freiheiten haben, ist es für uns am einfachsten, die Wünsche unserer Auftraggeber zu erfüllen und die Beleuchtung bestmöglich zu planen.

Und wenn man diesen Punkt verpasst, ist es zu spät für eine schöne Beleuchtung?
Ulrike Ehrenpfordt: Natürlich ist auch noch viel möglich, wenn der Raum schon eingerichtet ist. Dann ist nur etwas mehr Kreativität und gegebenenfalls Flexibilität gefragt. Ein kleiner Trost: Auch wenn am Wunschplatz für die Leuchte kein geeigneter Anschluss vorhanden ist, darf man nicht vergessen, dass zum Beispiel ein Kabel an der Decke richtig platziert auch ein klasse Design-Element sein kann!

Wenn Sie nun auf den Geschmack gekommen sind und sich für mehr Informationen rund um eine gekonnte Ausleuchtung Ihres Zuhauses interessieren, laden wir Sie herzlich in unser Licht-Studio ins Cramer Flagship in der Kieler Straße ein. Für eine Lichtplanung können Sie Ulrike Ehrenpfordt telefonisch unter 040 547378-33 oder per Mail ehrenpfordt@cramer-moebel.de kontaktieren.